Kununu Fakes – Warum Selbstbewertungen mehr schaden als nützen

Wenig Schmeichelhaftes fällt mir ein, wenn ich wieder einmal Bewertungen auf Kununu sehe, die ganz offensichtlich von den betreffenden Arbeitgebern selber verfasst wurden: ein Armutszeugnis.

Was solche Fake-Bewertungen über das Selbstverständnis des Unternehmens als Arbeitgeber, sein Verhältnis zu seinen Mitarbeitern und vor allem über seine Einstellung gegenüber den Bewerbern aussagen, lesen Sie hier:

Fake Bewertungen

Jede Wette, dass Bewerber Fake-Bewertungen des Arbeitgebers erkennen!

Meine Top 5, warum Bewertung, bei denen der Arbeitgeber selber in die Tasten gehauen hat, erkennbar sind:

  • Weil schon die Überschrift vor Superlativen strotzt.

    Zahlreiche Bewertungen, die das Unternehmen in den Himmel heben, sind ein sicheres Zeichen: Hier war der Arbeitgeber selber tätig. Ein paar Zitate von Kununu gefällig? Los geht es:„Extrem guter Stimmung“
    „Bester Job überhaupt“
    „Imposante Möglichkeiten“
    „Ausgeprägte Führungskultur“
    „Ein Arbeitgeber zum mitwachsen und mitgestalten“
    „… Erkenntnis, dass der Mitarbeiter ein hohes Kapital im Unternehmen darstellt“.
    „Bester Chef. 10 Sterne.“


    Geht es noch? Wie groß ist die Chance, dass selbst ein wirklich zufriedener Mitarbeiter in diesem Stil eine Bewertung abgibt?

    Meiner Erfahrung nach verwenden in der Regel Presse- und Öffentlichkeitsarbeiter solch ein gestelztes Wording. Klar werden auch diese ihren Arbeitgeber bewerten. Aber massenhaft? Sorry, schon die hohe Anzahl von Bewertungen mit diesen Superlativen ist wenig glaubhaft.

  • Weil die Bewertung eine Kopie der Arbeitgebermarke ist.

    Wenn Überschrift und Text der Bewertung exakt dem Wording der Arbeitgebermarke entsprechen, sollte jedem klar sein, dass das Fake ist. Sogar ganze Slogans werden da abgeschrieben. Wer macht so etwas? Schlimmer noch: Wer glaubt, dass das nicht auffällt?
  • Weil extrem positive Bewertungen direkt nach negativen folgen.

    Gerne sammelt Kununu durch Mailing- oder Posting-Aktionen bei Xing neue Bewertungen ein. Klar, dass da nicht nur Positives geschrieben wird. Jetzt gilt es, nicht unter den Durchschnitt von 3,0 im Kununu Score zu fallen.  Mit schöner Regelmäßigkeit prasselt es dann zeitnah eine ganze Serie dieser extrem guten Bewertungen. Kann man bei einigen Arbeitgebern die Uhr nach stellen.
  • Weil sich Bewertungen gleichen.

    Gleicher Satzbau, gleiches Wording, gleiche inhaltliche Aussage. Liebe Personaler, ein wenig mehr Mühe solltet ihr euch schon geben. Bitte!
  • Weil die Kommentare den Bewertung gleichen.

    Als wäre das alles nicht schlimm genug, werden die eigenen Fake-Bewertungen auch noch kommentiert. Ein schlichtes „Danke“ reicht da nicht, sondern es wird in den Kommentaren die Gelegenheit genutzt, die Lobhudelei noch zu toppen. Nur ist Schreibstil, Wording und Aussage identisch. Kopfschüttel über so wenig Kreativität.

Was Fake-Bewertungen über den Arbeitgeber aussagen

Warum bewerten sich Arbeitgeber selber positiv? Zwei Gründe begegnen mir immer wieder.

„Wir sind in echt besser, als unser Profil auf kununu!“

Ok, dass kann wirklich sein. Dann gilt es, die (vermeintlich zufriedenen) Mitarbeiter oder Bewerber zu animieren, ihre Feedback zu geben und das falsche Bild gerade zu rücken. Also: die nächste Mitarbeiterbefragung auf Kununu durchzuführen. Alle Bewerber (auch die abgelehnten) bitten, ihr Feedback dort abzugeben. Öffentlich, für alle zum Mitlesen!

Macht ja keiner. Personaler, die im Elfenbeinturm schöne Broschüren erstellen, haben wenig Einblick in das Gefühlsleben der Mitarbeiter. Sie haben keine echte Ahnung, wie es wirklich im Unternehmen aussieht. Daher trauen sie sich nicht. Mitarbeiterbefragungen? Lieber nicht. Und wenn doch, sind sie schnell in Schubladen verschwunden.

Nur mit Kritikfähigkeit und der Bereitschaft zur Selbstreflektion können Unternehmen wahrnehmen, wie zufrieden die eigenen Mitarbeiter und Beweber sind. Erst mit diesem Wissen können Sie etwas ändern. Und erst dann wird es auch positive Bewertungen geben. Das ist ohne Zweifel aufwändiger und zeitintensiver, als selber die Bewertungen zu faken.

„Wir haben Fachkräftemangel. Also müssen wir uns auf Kununu top präsentieren.“

Auch greifen Arbeitgeber zum Mittel der Fake-Bewertungen, wenn Sie ein Problem in der Personalgewinnung haben. Fachkräftemangel nennen sie das. Um die Bewerber zu überzeugen, wird daher das Kununu-Profil gepimpt.

Zunächst einmal, wird Kununu je Zielgruppe überbewertet, wie die Studie  Social Media Personalmarketing der Hochschule RheinMain schon 2016 belegt.

Social Media Kanäle
Quelle https://personalmarketing2null.de

Das soll aber nicht bedeuten, dass Unternehmen Arbeitgeberplattformen ignorieren sollen. Mit Sicherheit sind es aber nicht die Kununu-Bewertungen, sondern tatsächlich die schlechten Arbeitsbedingungen und die wenig wertschätzende Unternehmenskultur, die Bewerber abschreckt.

Da bringen Fake-Bewertungen gar nichts. Denn spätestens am ersten Arbeitstag prallen die Kandidaten auf die Realität. Enttäuschung macht sich breit. Raten Sie mal: Dann hagelt es wieder negative Bewertungen.

Insgesamt bleibt kein gutes Bild vom Arbeitgeber: bestenfalls ohne Kenntnis über die waren Zustände. Im schlechtesten Fall ohne Bereitschaft, an den bekannten (schlechten) Zuständen etwas zu ändern.

Was Fake-Bewertungen über die Einstellung zum Mitarbeiter aussagen

Für die eigenen Mitarbeiter sind realitätsferne, extrem positiven Bewertungen eine schallende Ohrfeige.

Der Arbeitgeber interessiert sich nicht (genug) für die Nöte und Belange der Beschäftigten. Denn sonst würde er die Bewertungen Ernst nehmen, statt sie durch positive Fakes im gepimpten Durchschnitt zu verstecken.

Was Fake-Bewertungen über die Einstellung zum Bewerber aussagen

Welches Einstellung gegenüber Bewerbern herrscht in den Köpfen der Personaler, die solche dreisten Fake-Bewertungen auf Kununu abgeben?

Ich kann hier nur wenig Wertschätzung und Augenhöhe erkennen. Bewerber sollen sich scheinbar glücklich schätzen, sich bewerben zu dürfen. Sie werden schlicht für dumm verkauft.

Mein Tipp an Bewerber, wenn sie Fake-Bewertungen erkennen

  • Finger weg, wenn es sich klar um Lobhudelei des Arbeitgebers handelt.
  • Wenn Ihr Euch nicht sicher seid, ob der Arbeitgeber sich selber positiv bewertet, fragt nach! Nutzt das Bewerbungsgespräch und hört genau hin. Klopft die Aussagen der Kununu-Bewertungen auf ihre Glaubwürdigkeit ab.
  • Fragt Euer Netzwerk! Sucht in Euren Kontakten Personen, die aktuell oder früher im fraglichen Unternehmen gearbeitet haben. Schreibt ihnen und stellt Eure Fragen. Ruhig auch einmal eine konkrete Arbeitgeberbewertung diskutieren.
  • Stellt eine Frage mit der neuen Kununu-Funktion und beobachtet die Likes unter den Antworten. Ich bin sehr gespant, was diese Möglichkeit an neuen Einblicken bringt.

Mein Tipp an Arbeitgeber, die sich selbst bewerten

Lasst es bleiben. Es kriegt eh jeder mit. Das ist dann erst richtig peinlich und hinterlässt mehr als einen faden Beigeschmack beim Bewerber: Wie schlimm muss es wohl sein, wenn ein Arbeitgeber zu solchen Mittel greift?

Und selbst wenn Ihr die Qualität und Kreativität Eurer Fake-Bewertungen steigert, werden spätestens die eigenen Mitarbeiter bei nächster Gelegenheit die Wahrheit sagen. Zum Beispiel, wenn sie von ihrem Netzwerk gefragt werden. Bringt also auch nichts.

Viel besser ist es doch, nachzufragen und hinzuhören. Identifizieren, wo es holpert, um dann die Situation zu verbessern. Die positiven Bewertungen kommen dann von alleine.

Zudem kann ich Arbeitgebern mit Fachkräftemangel den Besuch der Talent Pro empfehlen. Am 22. März in München für schmales Geld Top-Experten für Personalmarketing und -gewinnung treffen und von anderen lernen.

Talent Pro Deep Dive Public Sector
Talent Pro Deep Dive Public Sector

Postet doch gerne eure Beispiele von Fake-Bewertungen hier in den Kommentaren. Und diskutiert gerne mit mir. Ich freue mich auf Euer Feedback.

8 Antworten auf „Kununu Fakes – Warum Selbstbewertungen mehr schaden als nützen“

  1. Am beste finde ich noch, dass manche Unternehmen offensichtliche Misstände duche positive Fake Bewertungen auszugleichen! Schöner Arbeitsmarkt, wo man zu Lügereien greifen muss um den eigenen Betrieb über der „3-Stern-marke“ zu halten.

  2. Hi Stefan,
    danke für diesen interessanten Artikel, ich finde das Thema kununu auch faszinierend, weil Unternehmen damit so unterschiedlich umgehen. Und manche machen sich in der Tat in der von Dir beschriebenen Weise mit Fake Bewertungen unmöglich. Ich finde, als Leser merkt man das sehr schnell.
    Stattdessen sollten die Verantwortlichen in den Unternehmen sich besser selbst kritisch hinterfragen.
    Was die Studie angeht: Mir scheint das veraltet, meiner Erfahrung checken auch Nachwuchskräfte kununu mittlerweile wenigstens einmal. Es wird bei einer google Suche zu einem Arbeitsplatz ja auch immer sehr weit oben angeboten, insofern kommt man kaum dran vorbei.

    1. Hi Erik,

      danke für dein Feedback und deine Ergänzung.

      Das mit den Nachwuchskräften erlebe ich tatsächlich anders. Viele Studenten kennen kununu gar nicht. Aber vielleicht ist das je Branche unterschiedlich. Auf jeden Fall vielen Dank für diesen Input.

      VG, Stefan

  3. Hallo Stefan,

    danke für Deinen prima Artikel, den ich vom Tenor her absolut unterstütze. Fake bringt nicht nur niemandem auf Dauer etwas, es wird damit auch ein sehr gutes Instrument, das sich gerade der Transparenz der Arbeitsbedingungen verschrieben hat, konterkariert.

    Allerdings stimme ich nicht ganz mit Dir überein, was Deine „Fake-Bewertungen-erkennen-leicht-gemacht“-Tipps angeht. Wahrscheinlich deswegen nicht, weil ich bei uns auf dem Profil häufig ähnlich oberflächliche, meist (aber nicht immer) positive Überschriften und inhaltsleere Beschreibungen vorfinde. Nun weiß ich aber ganz sicher, dass wir als Arbeitgeber hier nichts faken oder selbst aktiv werden und stehe dafür persönlich mit meinem Namen. Trotzdem gestaltet sich das Profil immer wieder in beschriebener Weise.

    Ich habe mir schon oft darüber Gedanken gemacht, woher das kommt. Insbesondere wenn Bewertungen tatsächlich extrem stark an der Arbeitgebermarken-Positionierung angelehnt sind oder sogar im Wording eine perfekte Kopie sind. Zum einen glaube ich, dass nicht jeder, der auf kununu bewertet und seinem Unternehmen seine Stimme leihen möchte, einen journalistischen oder Marketing-Hintergrund hat. Insofern kopiert man eben gerne Überschriften von anderen, um zu zeigen, dass man es ähnlich sieht.

    Zum anderen habe ich die Erfahrung gemacht, dass gerade bei sehr stark intern verankerten Arbeitgebermarken, die Mitarbeiter tatsächlich im Wording daran angelehnt agieren. Ein Beispiel: Unser Claim lautet seit nunmehr über 8 Jahren „Zukunft gestalten. Gemeinsam.“. Viele Mitarbeiter tragen diesen Gedanken direkt unter dem Herzen, weil sie am Ende jeder Präsentation, jedes Films usw. den Claim so verinnerlicht haben, dass sie ihn auch beim Bewerten auf kununu rezitieren. Als Genossenschaft hat dieser für die Mitarbeiter tatsächlich auch ganz andere Auswirkungen und Bedeutungen als das in einem Konzern der Fall wäre. Ist von außen ohne entsprechendes Unternehmenswissen wahrscheinlich sogar schwer vorstellbar.

    Trotzdem sind es natürlich in erster Linie meine Vermutungen. Lieber wären mir mehr ausführliche, inhaltsreiche und wortgewandte Bewertungen. Aber das lässt sich ja nicht beeinflussen, außer vielleicht durch meine persönlichen Kommentare.

    Mein Fazit: Ich gebe Dir bei den Tipps grundsätzlich Recht, kann aber nur davor warnen in eine schwarz-weiß-„ist so“-Denke zu verfallen. Aber das dürfte eigentlich selbstredend sein.

    Ach ja, was den von Dir aus der 2016er-Studie zitierten Prozentsatz angeht: Mittlerweile sind wir bei einer kununu-Bekanntheitsquote von 70% bei unseren neuen Mitarbeitern (ca. 350 pro Jahr). Seit 2016 hat sich die Anzahl derjenigen, die uns vor der Bewerbung auf dem Portal besucht und wahrgenommen haben, nahezu verdoppelt.

    Viele Grüße vom Namenskollegen

    Stefan

    1. Hi Stefan,

      danke für dein Feedback. Ich gebe dir Recht, dass nicht jede positive Kopie der Arbeitgebermarke Fake ist. Es geht eher um die Häufigkeit, den Zeitpunkt (nach negativen Bewertungen) und die Ähnlichkeit von Kommentaren.

      Schwarz-Weiß malen wir als Blogger ja nie 😉 Ich wollte darauf hinweisen, dass es Fakes gibt und das das Murks ist – in jeder Hinsicht!

      Meinen Erfahrungen bei der Zielgruppe Studenten und Kununu hat sich im Übrigen seit 2016 nicht wesentlich geändert. Bei Fachkräften ist das deutlich anders.

      Schöne Grüße, Stefan

  4. Irgendwie fast schon traurig, dass Sie scheinbar noch nie in einem wirklich netten Unternehmen gearbeitet haben. Könnte es nicht irgendwie doch möglich sein, dass es einen Ort gibt, an welchem die Mitarbeiter ihre Chefs mögen, ihre Arbeit lieben und einfach gern hingehen um dann ihren Freunden und Bekannten zu empfehlen dort zu arbeiten und dann letztendlich auch solche Bewertungen wie „Bester Job überhaupt“ schreiben? Also ich kenne das so und freue mich tatsächlich als Personaler wie Bolle, dass ich keine Fake-Bewertungen schreibe sondern einfach nur happy bin, dass die Arbeit die mein Team und unsere Manager machen im Großen und Ganzen zu solchen Bewertungen führt. Dass das jetzt von Bewerbern als „FAKE“ enttarnt werden soll und ggf. hinterfragt werden soll, ist das Eine. Aber sich dann lieber gleich bei einem AG zu bewerten der schlecht bewertet ist, ist ja wohl keine richtig geile Idee, oder? Etwas mehr Vertrauen in das Gute im Menschen und im Unternehmen, wäre hier wünschenswert. 🙂

    1. Hallo T.K.,

      danke für deinen Kommentar.

      Ich habe ganz und gar nichts gegen positive Bewertungen! Ich rufe Arbeitgeber sogar dazu auf, öfter Bewertungen von Mitarbeitern und Bewerbern einzuholen. Insoweit ist daran tatsächlich nichts „traurig“.

      Ganz und gar nicht bewerte ich darum auch jede positive Bewertung als Fake. Aber Ähnlichkeit, Zeitpunkt (nach negativen Bewertungen) und Häufigkeit immer gleicher Lobhudelei sind ein wichtiges Indiz.

      Das Du keine Fakes schreibst, ist toll! Und wenn es positive Bewertungen der Mitarbeiter gibt, ist das ein tolles Zeichen einer guten Unternehmenskultur. Glückwunsch!

      Aber es gibt dieses Phänomen der Fakes – darauf wollte ich hinweisen. Und davon dringend abraten. Das schlechte Menschenbild liegt daher sicher nicht bei mir als Blogger, sondern bei diesen Arbeitgebern, oder?

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