Das Gehalt in Stellenanzeigen des öffentlichen Dienstes – Fundstück

In meinen Vorträgen zeige ich oft, dass es mit den Stellenanzeigen im öffentlichen Dienst nicht gut bestellt ist. Regelmäßig fehlt es an wesentlichen Informationen wie dem Gehalt bei gleichzeitig massiver Länge der Texte.

Das folgende Fundstück ist da keine Ausnahme. Insoweit wäre die folgende Anzeige eigentlich keinen Beitrag wert. ABER: Die Sache mit dem Gehalt ist hier gut gelöst:

Social Media Manger vs. Stellenanzeige

So ein Job als Social Media Manager ist immer cool. Und dann noch für die Polizei Bayern, die beim Thema soziale Medien wirklich extrem viel richtig macht.

Hierzu gerne das sympathische Video von Polizeioberrat Marcus da Gloria Martins zum Thema „Behördenkommunikation 2.0“ vom Open Government Tag 2016, das richtig Lust auf den Job macht:

Aber dann diese Stellenanzeige für eine/n Senior Social Media Manager (m/w)“ auf der Homepage der Bayerischen Polizei:

  • zu lang,
  • langweilig,
  • leseunfreundlich,
  • unschöne Umbrüche,
  • wirklich sehr lange Sätze.

Wenn die Augen beim Lesen einschlafen

Da muss man schon ein wirklich tapferer Social Media Manager sein, der bis zum Ende durchhält und nicht beim Lesen wegnickt.

Ich jedenfalls habe 4 (!) Screenshots gebraucht, um die Anzeige irgendwie hier abzubilden:

Senior Social Media Manager (m/w) 1/4
1/4, Senior Social Media Manager (m/w), Quelle: http://www.polizei.bayern.de
Senior Social Media Manager (m/w), 2/4,
2/4, Senior Social Media Manager (m/w),  Quelle: http://www.polizei.bayern.de
Senior Social Media Manager (m/w), 3/4,
3/4, Senior Social Media Manager (m/w), Quelle: http://www.polizei.bayern.de
Senior Social Media Manager (m/w), 4/4
4/4, Senior Social Media Manager (m/w), Quelle: http://www.polizei.bayern.de

Die URL kommt auch ohne suchmaschinenfreundliches Schlagwort für die Anzeige aus. Zumindest nehme ich an, dass „277729“ kein allgemein bekannter Code in der Welt der Social Media Manager ist.

Vollkommen ignoriert wird mit diesen leider typischen Anzeigen für den öffentlichen Dienst das Such- und Selektionsverhalten der Bewerber. Wussten Sie, lieber Personaler, dass Bewerber ihrer Anzeige nur Sekunden geben, bin sie sich entscheiden, sich zu bewerben (oder eben auch nicht)? Auch hier gilt: Der Fachkräftemangel im öffentlichen Dienst ist hausgemacht.

Da hilft es auch nicht, dass die PDF-Anzeige zum Download der Stellenanzeige etwas hübscher ist. Denn PDFs sind grundsätzlich keine allzu gute Idee.

Ein wenig lustig ist aber der Titel der Datei. Mir gefällt das „final“ besonders gut. Klingt danach, dass es so die ein oder andere Abstimmungsrunde für den Text gab 😉

Schade irgendwie, dass sich der Social Media Manager nur per Post oder E-Mail (Anlagen ausschließlich als PDF, nicht größer als 5 MB) bewerben darf.

Die Sache mit dem Gehalt in Stellenanzeigen

Insgesamt kann wohl niemand behaupten, dass diese Stellenanzeige zum Senior Social Media Manager gut ist.  Und schon fast wollte ich die Anzeige zu machen, als ich auf den Hinweis auf das Gehalt gestoßen bin. Denn da steht – wie leider zu erwarten im öffentlichen Dienst – der Verweis auf die Entgeltgruppe:

Die Bezahlung erfolgt nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst der Länder (TV-L) mit den üblichen Sozialleistungen des öffentlichen Dienstes (zusätzliche Altersversorgung und Jahressonderzahlung).

Liebe Personaler des öffentlichen Dienstes:

  • Bitte macht euch klar, dass das niemanden hilft! Um die Entgelttabelle überhaupt zu finden, die richtige heraus zu suchen und dann noch mit den Regelungen zu den Stufen klar zu kommen, benötigt es einige Erfahrung. Sobald ihr jemanden ansprecht, der nicht aus dem öffentlichen Dienst kommt, ist der definitiv relativ ratlos. Und nein, das Finden der richten Beträge ist auch kein valides Kriterium für die Auswahl!
  • Das Gehalt ist und bleibt ein wesentliches Bewerbungskritierium! Welchen Sinn macht es, wenn sich jemand aufwändig bewirbt, eure Personalabteilung viel Zeit mit der Prüfung verschwendet, wenn der Bewerber dann später mangels passenden Gehaltes eh absagt. Das kann man sich durch die Angabe in der Anzeige doch alles sparen. Für beide Seiten.

Und genau hier punktet die bayerische Polizei

Die Vergütung erfolgt nach Entgeltgruppe 11 TV-L (je nach Berufserfahrung zwischen ca. 3202,32€ – und 3777,60€ brutto, Tarifstand Januar 2018).

Bähm! Da steht es schwarz auf weiß! Eine konkrete Gehaltsangabe. Im öffentlichen Dienst! Jubel!

Es geht also tatsächlich, liebe „Sachbearbeiter Personal“ der Behörden Deutschlands. Man kann das Gehalt angeben. Tut auch gar nicht weh, hilft dem Bewerber und spart die Bearbeitung von Bewerbungen von Personen, die sowieso nicht zu dem Gehalt anfangen würden.

Also Polizei Bayern: Weiter so!  Jetzt nur den Rest des Textes mindestens um die Hälfte kürzen und ich lade Euch gerne als Best Practice zum Deep Dive Public Sector @ Talent Pro 2019 ein. Versprochen!

Natürlich ist der Job trotz der Anzeige richtig cool. Also, bewerben!

2 Antworten auf „Das Gehalt in Stellenanzeigen des öffentlichen Dienstes – Fundstück“

  1. Servus Stefan,
    schönes Fundstück! Ist zwar nicht öD, aber trotzdem ein schönes Beispiel, wie man mit dem Gehalt werben kann: https://personalmarketing2null.de/2017/03/stellenanzeige-pflegefachkraefte-gehaltsangabe/

    Und, auch interessant: Eine Umfrage unter Bewerbern unter Personalern aus 2015 kommt zu sehr eindeutigen Ergebnissen: 79 Prozent der Bewerber sagen ja, eine Angabe der Gehaltshöhe sollte verpflichtend sein. Personaler hingegen haben da eine eher ambivalente, um nicht zu sagen äußerst ablehnende Haltung. Lediglich 9 Prozent fänden eine solche Pflichtangabe gut. https://personalmarketing2null.de/2015/07/jobware-umfrage-report-gehaltsangaben-in-stellenanzeigen-schnellere-reaktionszeiten/

    Beste Grüße und danke fürs Fundstück!
    Henner

  2. Vielen Dank für Ihren Beitrag Herr Dr. Döring. Mich hat es auch schon immer gestört, dass mit nichtssagenden Floskeln ein mögliches Gehalt beworben wird. Dabei ist es ja in der Regel klar was der zukünftige Stelleninhaber bekommen soll.

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